Dieter Schwarz - Portrait im Neckar Express, 20.10.1977
Das Portrait
Dieter Schwarz
Vorsitzender des IHK-Juniorenkreis Heilbronn
„Die Vorbereitrungen zur Bundeskonferenz haben den Juniorenkreis Heilbronn zusammengeschweißt und zu einer eingeschworenen Gemeinschaft gebildet“, verkündigte der Vorsitzende des IHK-Juniorenkreises Heilbronn, Dieter Schwarz, am vergangenen Samstag auf dem Abschlußball der Bundesjuniorenkonferenz im Großem Saal der Heilbronner Harmonie.
Der Schweiß bei der Arbeit habe sich gelohnt, so der Junioren-Vorsitzende. Die Anerkennung durch die anderen bundesdeutschen Juniorenkreise für die Heilbronner zeige das deutlich auf. Trotz des „ehrenvollen Besuchs des Bundeskanzlers Helmut Schmidt“ auf der Bundeskonferenz, so ganz zufrieden scheinen die Jugendunternehmer nicht. Die Resonanz der überregionalen Presse für die Konferenz war nicht gerade überwältigend.
„Allerdings können wir zufrieden sein. Im Gegensatz zu früheren Bundeskonferenzen war diesmal zum ersten Mal das Fernsehen da, der Rundfunk berichtete. Daß die Berichterstattung überregional sich nur im Wirtschaftsteil der Zeitungen widerspielte, entstand dadurch, daß man uns als Gruppe der Wirtschaft von Journalisten einstuft.“
Nachteil der Konferenz – so Schwarz: Der Juniorenkreis in Heilbronn wurde durch die intensive Vorbereitung auf die Bundeskonferenz in seiner eigenen Arbeit ein wenig zurückgeworfen.
„Alle Mitglieder mußten ihre Aktivitäten auf dieses Ereignis konzentrieren. Zeit für die Arbeitskreise blieb da kaum übrig. Wir werden die Beschäftigung mit den Arbeitskreisen sofort wieder intensiv aufzunehmen.“
Nach Gründung des IHK-Juniorenkreises in Heilbronn im Jahre 1972 - offiziell hatte man sich 1973 konstituiert - stand die Vortragsarbeit im Vordergrund.
Dieter Schwarz: „Das war die Phase, in der das Schlagwort der Systemveränderung ganz im Vordergrund stand. Es wurde viel darüber in der Öffentlichkeit diskutiert, wie die Verteilung der Güter organisiert werden könne, nicht aber darüber wie man die Werte schafft und wo so herkommen. Wir wollten deshalb einer breiten Öffentlichkeit zeigen, daß man unsere Grundwerte und die Marktwirtschaft nicht zu verändern brauche, daß die Prinzipien der Ordnung in unserer Gesellschaft unangetastet bleiben müsse und dass man hierauf aufzubauen habe. Diese Vorstellungen sind auch grundsätzlich die Vorstellungen aller drei staatstragenden Parteien. Daher kann bei uns auch jeder Mitglied werden, der Mitglied einer dieser Parteien ist.“
Die Mehrzahl der Heilbronner Junioren ist trotzdem parteilos. Auch Dieter Schwarz, der derzeitige Vorsitzende, seit dem 1. April 1974 im Amt, nach Dr. Helmut Mattes und seinem Vorgänger Ulrich Landerer, ist der dritte Sprecher des Juniorenkreises der IHK.
Geboren wurde Dieter Schwarz am 24. September 1939 in Heilbronn. Daselbst aufgewachsen, die Schule besucht, eine Berufsausbildung genossen, geheiratet.
Die Gymnasialzeit am Theodor-Heuss-Gymnasium wurde durch einen Amerika-Aufenthalt unterbrochen: ein Jahr in den Vereinigten Staaten mit dem American-Field-Service im Jahre 1956.
„Ich war damals begeistert über die Gastfreundschaft. Was mich überrascht hatte, war die Unkenntnis über die europäischen Verhältnisse. Der amerikanische Bürger interessiert sich in erster Linie für die lokalen Belange. Die Lokalberichterstattung in den Zeitungen nahm den größten Raum ein. Was in Washington oder der Welt geschah, spielte kaum eine Rolle. Und obwohl an der Highschool, an der ich studierte, zwanzig Prozent der Schüler Juden waren, spürte ich keinerlei Ressentiment gegen mich als Deutschen. Trotz der elf Jahre nach Kriegsende benahm man sich mir gegenüber ausgesprochen höflich.“
Nach dem Abitur am Theodor-Heuss-Gymnasium zwei Jahre Lehre im väterlichen Betrieb. Ausbildung zum Handelskaufmann. Zur Bundeswehr brauchte Dieter Schwarz aus gesundheitlichen Gründen nicht. Seit 1960 ist er Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Lidl & Schwarz, Neckarsulm, Mitglied der Vollversammlung der IHK Heilbronn seit 1974.
Die Juniorenkreise werden oft als Jugendorganisation der IHK bezeichnet. Diesen Begriff hören die Jungunternehmer nicht allzu gern; man fühlt sich angesiedelt in der IHK; Mitglied kann jeder werden, der Führungspositionen in einem kammerfähigen Unternehmen inne hat.
Die Schwerpunkte der Aktivitäten der Junioren in Heilbronn lagen und liegen bei den Arbeitskreisen. Dieter Schwarz: „Der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft hat für mich die größte Bedeutung. Hier halten Praktiker in den Schulen Vorträge, die rein sachlich informieren. Würden wir indoktrinieren, hätten wir die längste Zeit Zugang zu den Schulen gehabt.“
Ein anderer wichtiger Arbeitskreis der IHK-Junioren beschäftigt sich mit den sozialen Fragen. „Dort, wo das das soziale Netz nicht hält, suchen wir zu helfen, nicht nur finanziell. Vor allem in der Altenbetreuung hatten wir uns in letzter Zeit stärker eingesetzt Das sind die Gesten, mit denen wir den Menschen Freude bereiten wollte.“
In welchem Maße die Industrie- und Handelskammer die Arbeit der Junioren beeinflußt, ist nicht abzuschätzen. Schwarz betont: „Die IHK fördert unsere Arbeit auf dem abwicklungstechnischen Gebiet, ohne einen Anspruch daraus abzuleiten, auf die von uns behandelten Themen. In dem Kammerpräsidenten Dr. Helmuth Ernst Flammer haben wir einen aufgeschlossenen Präsidenten, der uns stark unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt auch Juniorenkreise, die von den Kammern kaum oder gar nicht unterstützt werden. Gründe sind oft politische Differenzen. Das gibt es in Heilbronn nicht.“
Dieter Schwarz stolz: „Die Jungunternehmer im IHK-Juniorenkreis haben sich in der Zeit ihres Bestehens zu einer Gruppe im gesellschaftlichen Bereich Heilbronns – nicht im parteipolitischen – gemausert, an der niemand mehr vorbeikommt.“
Dieter Schwarz, verheiratet, Vater von zwei Töchtern, ausgestattet mit einer circa 60-Stunden-Arbeitswoche im Betrieb - nebenher der Arbeit im Juniorenkreis; bleibt da noch Zeit für Muße?
„Für Hobbies nicht. In den wenigen Freizeitstunden wandere ich mit meiner Familie, schwimme, lese hauptsächlich Sachbücher.“ JDU
Erschienen am 20.10.1977 im Neckar Express, Heilbronn.
Autor: Jürgen Dieter Ueckert, Redakteur beim Neckar Express.
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